Einbauschrank nach Maß: Woraus sich der Preis ergibt
Der Preis eines Einbauschranks setzt sich aus fünf Blöcken zusammen: Korpus, Front, Beschläge, Aufmaß mit Planung und Montage mit Anpassung an den tatsächlichen Wandverlauf. Den größten Hebel hat die Front. Eine lackierte Front ist etwa das Doppelte einer Melaminfront, am Korpus dahinter ändert sich nichts. Danach kommen Sondergeometrie unter Schrägen, der Umfang der Innenausstattung mit rund 15 Prozent Anteil und die Beschlagqualität. Die Lieferzeit beträgt sechs bis zehn Wochen ab Aufmaß. Verbindlich wird der Preis nach dem Aufmaß vor Ort, weil erst dort Lot, Winkel und tatsächliche Höhe feststehen.
Redaktion CLIENI Bau · 9 Minuten Lesezeit · Stand 20.09.2026
Worum es geht.
Ob sich ein Einbauschrank gegenüber Möbeln von der Stange rechnet, hängt an zwei Fragen: Wie schief ist der Raum, und wie viel Fläche geht bei Standardmaßen verloren. Im Berliner Altbau fallen beide Antworten deutlich aus.
Ein Beispiel: Eine Nische von 218 Zentimetern Breite nimmt mit Standardschränken zwei Elemente à 100 Zentimeter auf, die restlichen 18 Zentimeter werden mit Blenden zugestellt. Dazu bleibt bei 3,20 Metern Raumhöhe über einem 2,36 Meter hohen Schrank fast ein Meter ungenutzt. Ein Einbauschrank nutzt beides und bietet dadurch oft ein Drittel mehr Stauraum auf derselben Wandfläche.
Diese Übersicht zeigt, aus welchen Blöcken sich der Preis zusammensetzt und welche Entscheidung welchen davon bewegt. Sie vergleicht die gängigen Fronten nach Haltbarkeit, Reparierbarkeit und Optik, erklärt, warum im Altbau das Aufmaß über das Ergebnis entscheidet, und nennt die Merkmale, an denen sich eine gute Tischlerleistung erkennen lässt. Der wichtigste Prüfpunkt im Angebot: Sind Korpus, Front, Beschläge, Aufmaß und Montage getrennt ausgewiesen? Nur dann vergleichen Sie zwei Möbel und nicht zwei Summen.
Woraus sich der Preis zusammensetzt
Ein Einbauschrank hat keinen Preis, sondern eine Summe aus Blöcken. Schränke werden je laufendem Meter kalkuliert, bezogen auf eine Höhe bis 2,60 m und eine Tiefe von 60 cm. Weicht eines davon ab, ändert sich die Kalkulation.
| Nr | Position | Einheit | Preistreiber |
|---|---|---|---|
| 01 | Korpus: Seiten, Böden, Rückwand, Sockel | je lfd. m | Höhe, Tiefe, Zahl der Böden. Plattenstärke, Kantenausführung, Bohrbilder. Bleibt über alle Frontvarianten hinweg derselbe |
| 02 | Front: Türen und Schubladenblenden | je lfd. m | Frontmaterial und Oberfläche. Der größte Hebel. Melamin, Furnier oder lackierte MDF bei identischem Korpus dahinter |
| 03 | Beschläge: Scharniere, Auszüge, Griffe | je lfd. m | Hersteller und Dämpfung. Wird täglich mehrfach bewegt. Im Angebot gehört der Hersteller benannt, sonst ist der Preis nicht vergleichbar |
| 04 | Innenausstattung: Auszüge, Hosenhalter, Beleuchtung | Aufpreis je lfd. m | Umfang der Ausstattung. Rund 15 Prozent des Preises und der Posten, der beim Vergleich am häufigsten fehlt |
| 05 | Aufmaß und Planung mit Zeichnung | je Projekt | Zahl der Möbel. Lot, Winkel, Deckenverlauf, Steckdosen, Heizkörper, Sockelleisten. Bei Auftragserteilung in der Regel verrechnet |
| 06 | Montage vor Ort | je Möbel | Zugang und Zahl der Teile. Anlieferung in Teilen, Ausrichten mit Justierfüßen, Endmontage von Fronten und Beschlägen |
| 07 | Anpassung an den Wandverlauf | je Anschluss | Abweichung von Lot und Winkel. Passleisten und Blenden, die den Schrank an die schiefe Wand anschließen. Im Altbau kein Sonderfall, sondern der Normalfall |
| 08 | Sondergeometrie unter Dachschrägen | Aufpreis je lfd. m | Zahl der Einzelstücke. Jedes Element mit eigener Zeichnung und eigenem Zuschnitt, keine Wiederholung möglich |
| 09 | Schiebetüren statt Drehtüren | Aufpreis je lfd. m | Beschlagsystem. Sinnvoll, wo vor dem Schrank wenig Platz ist. Kostet Tiefe im Innenraum |
| 10 | Höhe über 2,60 m | Aufpreis je lfd. m | Aufsatz oder Türen in Übergröße. Im Altbau mit 3,20 m Raumhöhe der Regelfall, wenn die Höhe genutzt werden soll |
| 11 | Feuchtraumausführung für das Bad | Aufpreis je Möbel | Kantenversiegelung und Beschläge. Feuchtebeständige Trägerplatte, umlaufend versiegelte Kanten, nichtrostende Beschläge |
Garderoben, Sideboards, Waschtischunterbauten, Massivholztische und Innentüren nach Maß setzen sich aus denselben Blöcken zusammen, werden aber je Stück kalkuliert statt je laufendem Meter. Bei kleinen Möbeln fällt deshalb der Grundaufwand für Aufmaß, Fahrtweg und Montage stärker ins Gewicht als bei einem raumhohen Schrank.
Die Fronten im Vergleich: Haltbarkeit, Reparierbarkeit, Optik
Die Front ist der größte Hebel und die einzige Entscheidung, die Sie unabhängig vom Raum treffen können. Diese fünf Ausführungen decken fast alle Anfragen ab, dazu kommt die Kante als das Detail, an dem man die Ausführung zuerst sieht.
Melaminbeschichtete Spanplatte
Dekor aufgedruckt, Kanten umleimt. Robust, pflegeleicht und im Alltag unempfindlich. Nicht reparabel: Eine beschädigte Front wird getauscht, nicht ausgebessert. Die Kante bleibt als Linie sichtbar. Die vernünftige Wahl für Ankleide, Abstellraum und Mietobjekte.
Furnierte Platte
Echtholzoberfläche auf Trägerplatte. Arbeitet weniger als Massivholz und ist maßhaltiger. Der sichtbare Unterschied zur Katalogware ist das durchlaufende Maserungsbild über mehrere Türen, das nur entsteht, wenn die Fronten aus einem Furnierbild geschnitten werden. Oberflächenschäden lassen sich in Grenzen überschleifen und nachbehandeln. Der Aufpreis gegenüber Melamin liegt bei etwa 40 bis 70 Prozent.
Lackierte MDF-Front
Geschlossene, glatte Fläche in freier Farbwahl nach RAL oder NCS, auch exakt im Wandton. Mehrfach geschliffen und lackiert, deshalb etwa das Doppelte einer Melaminfront. Empfindlicher gegen Kratzer, dafür als einzige Frontart wirklich reparabel: Die Stelle wird angeschliffen und neu lackiert.
Massivholz
Arbeitet mit der Raumfeuchte und muss konstruktiv darauf ausgelegt sein. Für Tischplatten und sichtbare Kanten erste Wahl, für großflächige Schrankfronten wegen des Verzugs seltener sinnvoll als Furnier. Sehr gut reparabel, weil sich die Oberfläche mehrfach abschleifen lässt.
Feuchtraumgeeigneter Aufbau
Keine Frage der Optik, sondern der Konstruktion: feuchtebeständige Trägerplatte, umlaufend versiegelte Kanten, Beschläge in nichtrostender Ausführung. Ein normaler Möbelkorpus quillt im Bad an den Kanten auf, meist zuerst am Sockel neben der Dusche, und das ist nicht reparabel.
Die Kante entscheidet mit
Umleimt, anfurniert oder lackiert: An der Kante zeigt sich die Ausführung zuerst, weil sie beim Öffnen täglich berührt wird. Sie gehört in die Materialentscheidung und in das Angebot, nicht in die Nachfrage bei der Abnahme.
Vier Möbel: welcher Block den Ausschlag gibt
Immer dieselben Blöcke, in unterschiedlichem Verhältnis: Korpus, Front, Beschläge, Innenausstattung, Aufmaß und Montage. Daran sehen Sie, welche Entscheidung bei Ihrem Möbel den Ausschlag gibt.
Kleiderschrank in Nische, 2,18 m breit, Melaminfront
- Korpus und Fronten, Bezugsgröße laufender Meter
- Innenausstattung Standard mit Böden und Kleiderstange: enthalten
- Passleisten an beiden Nischenwänden
- Aufmaß, Planung, Montage: enthalten
Wie sich die Summe verteilt: Fast der gesamte Preis steckt in Korpus und Front. Es ist die einfachste Konstellation: ein rechteckiger Ausschnitt, ein Material, keine Sonderbeschläge.
Schlafzimmerschrank, 3,60 m, lackierte Front in Wandfarbe
- Korpus und lackierte Fronten, Bezugsgröße laufender Meter
- Innenausstattung mit Auszügen und Hosenhalter, Aufpreis je Meter
- Beleuchtung mit Bewegungsmelder
Wie sich die Summe verteilt: Die lackierte Front trägt den größten Teil, die Innenausstattung den zweitgrößten, die Beleuchtung den kleinsten. Gegenüber Melamin verdoppelt sich im Wesentlichen ein einziger Block.
Dachschrägenschrank, 4,20 m, furniert, mit Schiebetüren
- Schrägenschrank, jedes Element ein Einzelstück
- Aufpreis Schiebetüren, Bezugsgröße laufender Meter
- Innenausstattung mit Auszügen
Wie sich die Summe verteilt: Der Korpus dominiert, weil die Sondergeometrie jede Wiederholung verhindert. Schiebetüren und Innenausstattung kommen als getrennte Aufpreise je Meter dazu.
Flurgarderobe mit Sitzbank, 1,80 m, lackiert
- Garderobenmöbel mit Sitzbank und Stauraum
- Schuhauszüge und Hakenleiste
- Wandpaneel mit Spiegel
Wie sich die Summe verteilt: Das Möbel selbst ist der größte Teil, Auszüge und Paneel sind Zubehör. Bei kleinen Möbeln fällt der Grundaufwand für Aufmaß und Fahrtweg stärker ins Gewicht.
Wo sich sparen lohnt und wo nicht
Sparen: Melamin statt Lack
Der Korpus ist derselbe, nur die Front unterscheidet sich. In Schlafzimmer, Ankleide und Abstellraum sieht die Front ohnehin selten jemand, dort ist Melamin die vernünftige Wahl.
Sparen: Innenausstattung schlicht halten
Böden und eine Kleiderstange reichen für den größten Teil des Stauraums. Auszüge und Spezialhalter lohnen dort, wo sie täglich genutzt werden, nicht überall.
Sparen: Drehtüren statt Schiebetüren
Schiebetüren sind ein Aufpreis je Meter und kosten zusätzlich Tiefe im Innenraum. Sinnvoll nur dort, wo vor dem Schrank tatsächlich zu wenig Platz für eine offene Tür ist.
Nicht sparen: an den Beschlägen
Sie werden jeden Tag mehrfach bewegt. Der Unterschied zwischen einfacher Ware und einem gedämpften Markenscharnier zeigt sich nach fünf Jahren an hängenden Türen und Schubladen, die nicht mehr sauber schließen.
Nicht sparen: am Aufmaß
Wer nur die Breite misst, plant für einen rechtwinkligen Raum, den es im Altbau nicht gibt. Das Ergebnis sind keilförmige Fugen zur Wand, die man mit Blenden kaschiert und trotzdem sieht.
Nicht sparen: an der Feuchtraumausführung im Bad
Ein normaler Möbelkorpus quillt am Sockel neben der Dusche auf. Das ist nach zwei Jahren sichtbar und nicht reparabel.
Kurz beantwortet.
Woraus setzt sich der Preis eines Einbauschranks zusammen?
Aus fünf Blöcken: Korpus, Front, Beschläge, Aufmaß mit Planung und Montage mit Anpassung an den Wandverlauf. Den größten Hebel hat die Front, weil eine lackierte Front etwa das Doppelte einer Melaminfront ist, während sich am Korpus dahinter nichts ändert. Danach kommen Sondergeometrie unter Schrägen, wo jedes Element ein Einzelstück ist, der Umfang der Innenausstattung mit rund 15 Prozent Anteil und die Beschlagqualität. Kalkuliert wird je laufendem Meter, bezogen auf eine Höhe bis 2,60 Meter und eine Tiefe von 60 Zentimetern.
Warum entscheidet im Altbau das Aufmaß?
Weil im Altbau keine der Größen stimmt, die ein Möbel voraussetzt. Wände laufen über drei Meter Länge um mehrere Zentimeter aus dem Lot, Decken sind nicht waagerecht, Ecken haben selten 90 Grad. Wer nur die Breite misst, plant für einen rechtwinkligen Raum und bekommt keilförmige Fugen, die man mit Blenden kaschiert und trotzdem sieht. Ein richtiges Aufmaß erfasst deshalb Lot, Winkel und Deckenverlauf, dazu Steckdosen, Heizkörper, Sockelleisten und Fensterlaibungen. Es entscheidet außerdem über die Konstruktion: Gemessen wird auch der Weg ins Haus, weil ein fertig verleimter Korpus von 2,60 Metern selten um einen Berliner Treppenabsatz kommt. Deshalb wird in Teilen angeliefert und vor Ort montiert.
Welche Front ist die richtige?
Melamin ist robust, pflegeleicht und die günstigste Variante, hat aber sichtbar umleimte Kanten und ist bei Beschädigung nicht reparabel. Es ist die richtige Wahl für Ankleide, Abstellraum und Mietobjekte. Furnier sieht aus wie Massivholz, arbeitet weniger und erlaubt ein durchlaufendes Maserungsbild über mehrere Türen, was der sichtbarste Unterschied zur Katalogware ist. Lackierte MDF-Fronten geben freie Farbwahl bis zum exakten Wandton und sind reparabel, aber empfindlicher gegen Kratzer. Massivholz ist bei Tischplatten und sichtbaren Kanten erste Wahl, bei großen Schrankfronten wegen des Verzugs seltener sinnvoll.
Woran erkenne ich eine gute Tischlerleistung?
An sechs Dingen, die alle nach der Montage sichtbar sind. Erstens am Anschluss zur Wand: eine gleichmäßige Fuge über die gesamte Höhe mit sauberer Passleiste statt einer keilförmigen Lücke. Zweitens an den Fugen zwischen den Fronten, die überall gleich breit und über alle Türen auf einer Linie sind. Drittens am Furnierbild, das über mehrere Türen durchläuft, statt an jeder Tür neu anzusetzen. Viertens daran, dass Türen und Schubladen gleichmäßig schließen und in jeder Stellung stehen bleiben. Fünftens an der Kantenausführung, innen wie außen. Sechstens daran, dass die Beschläge nachjustierbar sind und Ihnen bei der Übergabe gezeigt wird, wie.
Lohnt sich Maßarbeit gegenüber Möbeln von der Stange?
Im Altbau fast immer. Erstens sind die Räume nicht rechtwinklig, ein Standardschrank steht deshalb entweder mit sichtbarer Fuge oder klemmt. Zweitens geht Fläche verloren: Eine Nische von 218 Zentimetern nimmt zwei Standardelemente à 100 Zentimeter auf, der Rest wird zugeblendet, und die Höhe über dem Schrank bleibt ungenutzt. Ein Einbauschrank bietet auf derselben Wandfläche oft ein Drittel mehr Stauraum. In einem rechtwinkligen Neubauzimmer ohne besondere Maße ist der Vorteil deutlich kleiner.
Wie lange dauert die Anfertigung?
In der Regel sechs bis zehn Wochen ab Freigabe der Planung, bei lackierten Fronten eher am oberen Ende, weil die Oberfläche mehrere Schleif- und Lackiergänge mit Trocknungszeiten durchläuft. Die Montage dauert je nach Umfang einen halben bis zwei Tage. Wenn das Möbel Teil einer Sanierung ist, sollte die Bestellung früh erfolgen, sonst bestimmt die Lieferzeit den Einzugstermin.
Worauf muss ich im Angebot achten?
Auf vier Dinge. Erstens: Sind Korpus, Front, Beschläge und Montage getrennt ausgewiesen? Nur dann sind zwei Angebote vergleichbar. Zweitens: Welcher Beschlaghersteller wird verbaut? Drittens: Was genau ist an Innenausstattung enthalten? Das ist die Position, die am häufigsten fehlt. Viertens: Ist das Aufmaß vor Ort mit Prüfung von Lot und Winkel enthalten oder wird nach Ihren Angaben gefertigt? Bei Letzterem tragen Sie das Risiko, wenn der Schrank nicht passt.
Zur Leistung und zu weiteren Artikeln.
Sagen Sie uns, was ansteht.
Vergabe
Für Projektentwickler, Verwaltungen, Bestandshalter und Architekten. LV, Pläne oder Objektliste bitte an hallo@clieni.de.
