Technik · Phase 04

Elektrosanierung in Berlin und Brandenburg

Elektrosanierung heißt im Altbau meist Neuinstallation: Stromkreise mit Schutzleiter, Fehlerstromschutz, ein Zählerplatz nach den Technischen Anschlussbedingungen des Netzbetreibers und eine Erstprüfung mit Protokoll. Der Zustand einer Anlage ist von außen kaum zu sehen und teuer zu übersehen, deshalb steht vor jedem Preis eine Messung.

Zeichnung: ElektrosanierungSchema zu Elektrosanierung. Rot hervorgehoben: FI-Schutz. Detail 24 des Plansatzes.UnterverteilungFIDetail 24ElektrosanierungSchema
01 · Kurz beantwortet

Was über Ergänzen oder Erneuern entscheidet.

Den Umfang entscheidet der Zustand der vorhandenen Anlage, nicht die Quadratmeterzahl. Liegt eine klassische Nullung ohne Schutzleiter, lässt sich die Anlage nicht in Teilen erneuern. Dann bestimmen die Zahl der Stromkreise und Installationsstellen, der Zählerplatz und die Stemmarbeiten den Umfang. Der reine Materialpreis ist der kleinste Teil, den größten haben Stemmen, Leitungen und das Schließen der Schlitze. Für eine Wohnung dauert die Elektroarbeit ein bis zwei Wochen, danach folgen Putz und Maler. Verbindlich wird der Umfang nach Bestandsaufnahme und Messung.

Am häufigsten beauftragen uns Projektentwickler und Bauträger, Bestandshalter und Architekten.

02 · Positionen

Was im Leistungsverzeichnis einer Elektrosanierung steht.

  1. Bestandsaufnahme mit Messung von Isolationswiderstand, Schleifenimpedanz und Schutzleiter, schriftlicher Befund

  2. Rückbau der alten Installation und Verteiler mit Entsorgung

  3. Stemmarbeiten in den Installationszonen, mit Staubschutz

  4. Leitungen im passenden Querschnitt in Leerrohr, Dosen und Abzweigdosen

  5. Unterverteilung mit Fehlerstromschutzschaltern, Leitungsschutzschaltern und Überspannungsschutz

  6. Zählerschrank nach den Technischen Anschlussbedingungen, Platz für die moderne Messeinrichtung

  7. Schutzpotentialausgleich mit Anbindung von Wasser, Gas, Heizung und Antenne

  8. Steckdosen, Schalter, Netzwerkdosen und Auslässe nach Ausstattungsplan

  9. Anschlüsse für Herd, Backofen, Geschirrspüler und Waschmaschine in eigenen Stromkreisen

  10. Bad mit Schutzbereichen nach DIN VDE 0100-701

  11. Klingel- und Sprechanlage, Rauchwarnmelder nach Landesbauordnung

  12. Reserve für Wallbox, Photovoltaik und Wärmepumpe: Leerrohr, Platz im Verteiler, Querschnitt

  13. Schlitze schließen, Putz- und Trockenbauanschlüsse für den Maler vorbereitet

  14. Anmeldung beim Netzbetreiber, Erstprüfung, Stromlaufplan und Übergabe

VerfahrenWas wir anbieten und wann es sinnvoll ist.
NrVerfahrenWann sinnvollGrundlage
01Neuaufbau der ZähleranlageBei Bestand ohne Schutzleiter oder bei LeistungsänderungTAB Stromnetz Berlin, DIN VDE 0100
02Stromkreisaufteilung mit FehlerstromschutzImmer bei ErneuerungDIN VDE 0100-410
03Leerrohre für Netzwerk und Smart HomeBei offenen Wänden, kostet später ein VielfachesDIN 18015
04Ladeinfrastruktur mit LastmanagementBei Stellplätzen im MehrfamilienhausVDE-AR-N 4100, GEIG
03 · Worauf es ankommt

Sechs Befunde im Bestand und was aus ihnen folgt.

NrBauteilWoran Sie es erkennenWie wir vorgehen
01Klassische Nullung, kein SchutzleiterZweiadrige Leitungen, Steckdosen ohne Schutzkontakt oder mit gebrückter Schutzkontaktverbindung. Typisch für Bestand vor den Siebzigern.Vollständige Erneuerung. Jede neue Steckdose mit Schutzkontakt braucht einen Schutzleiter, den das alte Netz nicht hat. Löst sich der Neutralleiter, können Metallgehäuse unter Spannung stehen, ohne dass eine Sicherung auslöst. Eine Teilerneuerung erzeugt eine Dose, die modern aussieht und nicht schützt.
02Stoffleitungen und AluminiumTextilumspinnung, die bei Berührung rieselt, oder silbrige, weiche Leiter aus der DDR-Zeit und den Siebzigern.Stoffleitungen werden ersetzt, ihre Isolierung hat ihre Eigenschaften verloren. Aluminium kriecht unter Klemmdruck, Verbindungen lockern sich und werden warm. Erneuern ist der Regelfall, verbleibende Abschnitte bekommen dafür zugelassene Klemmen und stehen auf der Prüfliste.
03Zu wenige StromkreiseZwei bis vier Sicherungen für die ganze Wohnung, Mehrfachsteckdosen überall, Auslösen beim Einschalten mehrerer Geräte.Neu aufgeteilt nach der Mindestausstattung der DIN 18015-2 und der tatsächlichen Nutzung: eigene Kreise für Küche, Großgeräte, Bad, Beleuchtung und Räume. Aus Kostengründen gekürzt wird hier nicht, weil sich die Aufteilung danach nur mit neuen Schlitzen ändern lässt. Platz für die Kreise von Wallbox und Wärmepumpe wird im Verteiler gleich vorgesehen.
04Fehlender FehlerstromschutzIm Verteiler nur Leitungsschutzschalter oder Schraubsicherungen, kein Gerät mit Prüftaste.Fehlerstromschutzschalter mit 30 Milliampere nach DIN VDE 0100-410 für die Steckdosen- und Beleuchtungsstromkreise der Wohnung, im Bad für alle Stromkreise. Die Sicherung schützt die Leitung, der Fehlerstromschutzschalter den Menschen, und er setzt einen funktionierenden Schutzleiter voraus. Seine Auslösung wird bei der Erstprüfung gemessen, ohne dieses Protokoll fehlt der Nachweis, dass die Anlage schützt.
05Alter Zählerplatz und HausanschlussHolz- oder Marmortafel, offene Verdrahtung, Schraubsicherungen, kein Platz für Zusatzgeräte, keine Potentialausgleichsschiene im Keller.Ersetzt durch einen Zählerschrank nach den Technischen Anschlussbedingungen. Das wird am Anfang geklärt: Ohne passenden Zählerplatz setzt der Netzbetreiber keinen Zähler, auch wenn die Wohnung fertig verdrahtet ist. Der Schutzpotentialausgleich im Hausanschlussraum gehört dazu und wird bei Wohnungssanierungen regelmäßig vergessen, weil er im Keller sitzt. Ob Steigleitung und Hausanschluss die Leistung für Wärmepumpe oder Wallbox tragen, klärt der Netzbetreiber, bevor die Wohnungen geplant werden.
06Leitungswege in der WandDiagonal verlegte Leitungen, Dosen ohne Bezug zu Türen und Ecken, niemand weiß, wo gebohrt werden darf.Schlitze nur in den Installationszonen nach DIN 18015-3, waagerecht und senkrecht, in tragendem Mauerwerk nur in zulässiger Tiefe. Jeder Leitungsweg wird vor dem Schließen fotografiert und maßlich festgehalten. Das erste Bild an der Wand ist danach kein Risiko mehr.
04 · Ablauf und Bauzeit

Elektro in ein bis zwei Wochen je Wohnung, danach Putz und Maler.

  1. Bestandsaufnahme und Messung

    Netzform und Schutzleiter feststellen, Leitungsmaterial und Querschnitte aufnehmen, Zählerplatz beurteilen. Ergebnis ist ein Befund mit Messwerten und der Aussage, ob ergänzt oder erneuert wird.

  2. Planung der Stromkreise und Angebot

    Aufteilung nach Abschnitt 03, Lage jeder Steckdose, jedes Schalters und Auslasses am Objekt festgelegt. Was hier vergessen wird, kostet später eine aufgestemmte Wand.

  3. Vor Woche 1: Netzbetreiber

    Anmeldung der Anlage, Abstimmung von Zählerplatz, Leistungsbedarf und Steigleitung. Dieser Schritt hat Vorlauf und steht deshalb am Anfang.

  4. Woche 1: Stemmen und Leitungen

    Schlitze, Dosen, Leerrohre und Leitungen, mit Staubschutz und abgestimmten Zeitfenstern. Das ist die staubintensivste Phase der ganzen Sanierung.

  5. Woche 1 bis 2: Zählerschrank und Verteiler

    Zählerschrank setzen, Unterverteilung aufbauen und bestücken, Potentialausgleich herstellen und anbinden.

  6. Woche 2: Fotos vor dem Schließen

    Alle Leitungswege werden fotografiert und vermaßt, bevor ein Schlitz geschlossen wird.

  7. Ab Woche 3: Schlitze schließen und Oberflächen

    Putz- und Trockenbauanschlüsse, danach Maler. Diese Gewerke laufen über denselben Terminplan, sonst stehen sie sich im Weg.

  8. Letzte Woche: Feininstallation, Erstprüfung, Übergabe

    Schalter und Steckdosen setzen, messen und prüfen, Inbetriebnahme. Übergabe mit den Unterlagen aus Abschnitt 05 und dem Stromlaufplan.

05 · Nachweise

Was Sie am Ende in der Hand halten.

NrNachweisGrundlageWann
01PrüfprotokollDIN VDE 0100-600Vor der Abnahme
02Anmeldung beim NetzbetreiberTAB Stromnetz BerlinVor Inbetriebnahme
03Fotoprotokoll der LeitungsführungVOB/CVor dem Verschließen
04AbnahmeprotokollVOB/B § 12Zum Schluss
06 · Häufige Fragen

Fragen zur Elektrosanierung.

  1. Muss wirklich die ganze Wohnung neu gemacht werden?

    Bei klassischer Nullung in aller Regel ja, aus den Gründen in Abschnitt 03. Liegt bereits ein Schutzleiter, reichen die Querschnitte und passt der Zählerplatz, lassen sich einzelne Bereiche gezielt ergänzen, etwa die Küche oder ein neues Bad. Was in Ihrem Fall gilt, entscheidet die Messung, nicht das Baujahr.

  2. Kann ich während der Elektrosanierung in der Wohnung bleiben?

    In der Stemmphase praktisch nicht: Es gibt viel Staub, und der Strom ist abschnittsweise abgeschaltet. Bei einer kompletten Erneuerung ist der Auszug für diese Zeit der realistische Weg. Wird nur ein Bereich erneuert, lässt sich das mit Staubschutz und abgestimmten Abschaltzeiten organisieren.

  3. Sollte ich Wallbox oder Photovoltaik gleich vorbereiten?

    Die Vorbereitung ja, die Installation erst, wenn sie konkret ansteht. Solange der Verteiler offen ist, kosten Leerrohr zum Stellplatz, ein freier Platz im Verteiler und etwas Querschnittsreserve wenig, später bedeuten sie neue Schlitze oder eine Aufputzlösung. Ladeeinrichtungen werden vor der Inbetriebnahme beim Netzbetreiber angemeldet, größere Ladeleistungen brauchen seine Zustimmung.

  4. Wer entscheidet im Mehrfamilienhaus über Steigleitungen?

    Im Wohnungseigentum sind Steigleitungen, Hausanschlussraum und Allgemeinstrom Gemeinschaftseigentum und damit beschlusspflichtig. Die Installation in der Wohnung hinter dem Zähler gehört in der Regel zum Sondereigentum. Befund und Angebot werden deshalb nach beiden getrennt aufgebaut, damit die Versammlung beschließen kann.

  5. Wer steht auf der Baustelle?

    Ihr Vertragspartner ist die CLIENI.de Dienstleistungen GmbH, sie schuldet das fertige Ergebnis. Ausführung, Anmeldung beim Netzbetreiber und Erstprüfung übernimmt ein eingetragener Elektrofachbetrieb unter unserer Bauleitung, der im Installateurverzeichnis des Netzbetreibers steht und vor der Vergabe vier Nachweise vorlegt. Bauleitung zwei- bis dreimal pro Woche vor Ort, bei Abdichtung, Estrich und Durchführungen täglich.

Verwandte Leistungen: AltbausanierungWärmepumpe und HeizungstauschMalerarbeiten

07 · Anfrage

Sagen Sie uns, was ansteht.

Rückmeldung mit Terminvorschlag innerhalb von 48 Stunden, werktags. Angebot in fünf Werktagen nach dem Ortstermin.

Vergabe

Für Projektentwickler, Verwaltungen, Bestandshalter und Architekten. LV, Pläne oder Objektliste bitte an hallo@clieni.de.