Hebeanlagen und Rückstauschutz in Berlin und Brandenburg
Eine Hebeanlage fördert Abwasser aus Räumen unter der Rückstauebene über eine Rückstauschleife in den Kanal. Ein Rückstauverschluss sperrt nur und kann kein Abwasser abführen, solange er geschlossen ist. Bei Starkregen steht der Kanal voll, und das Wasser sucht sich den tiefsten Punkt: den Ablauf im Keller.
Was über Hebeanlage oder Rückstauverschluss entscheidet.
Entscheidend ist, ob ein Raum während eines Rückstaus ohne Entwässerung auskommt. Ein Bodenablauf in der Waschküche kann ein paar Stunden warten, ein WC im Souterrain nicht. Fäkalienhaltiges Abwasser braucht eine Fäkalienhebeanlage, fäkalienfreies eine kleinere Anlage. Fällt die Wahl auf eine Hebeanlage, bestimmen Fördermenge und Förderhöhe die Größe, nicht der Platz im Keller. Die Anlage selbst ist der kleinste Posten, den Preis machen Schacht, Leitungen und Elektro. Der Einbau dauert zwei bis vier Tage, je nach Schacht. Rückstauebene, Abläufe und Nutzung jedes Raums darunter werden beim Ortstermin aufgenommen, bevor eine Anlage ausgewählt wird.
Am häufigsten beauftragen uns Hausverwaltungen und WEG, Eigentümer und Gewerbemieter.
Was im Leistungsverzeichnis für den Rückstauschutz steht.
Aufnahme der Rückstauebene und aller Abläufe darunter
Prüfung und Reinigung der Zulaufleitungen vor dem Anschluss
Bemessung von Zufluss, Fördermenge und Förderhöhe je Anlage
Schacht oder Pumpensumpf mit Aushub, Abdichtung und Abdeckung
Fäkalienhebeanlage als Einzel- oder Doppelanlage
Hebeanlage für fäkalienfreies Abwasser oder Schmutzwasserpumpe im Pumpensumpf
Rückstauverschluss in der Bauart passend zum Abwasser, mit Notverschluss
Absperrschieber im Zulauf vor der Anlage
Druckleitung mit Rückstauschleife, Rückflussverhinderer und Absperrschieber
Lüftungsleitung über Dach
Schallentkoppelte Aufstellung, Druckleitung gedämmt befestigt
Elektroanschluss im eigenen Stromkreis mit Alarmschaltgerät
Pumpensumpf im Aufstellraum zur Entwässerung bei Störung
Ausbau und Entsorgung der Altanlage
| Nr | Verfahren | Wann sinnvoll | Grundlage |
|---|---|---|---|
| 01 | Rückstauverschluss | Bei Abläufen, auf die während eines Rückstaus verzichtet werden kann | DIN 1986-100, DIN EN 13564 |
| 02 | Fäkalienhebeanlage mit Rückstauschleife | Bei WC und Bad unter der Rückstauebene | DIN 1986-100, DIN EN 12050-1 |
| 03 | Hebeanlage für fäkalienfreies Abwasser | Bei Waschküche, Dusche, Kellerablauf | DIN EN 12050-2 |
| 04 | Lüftung über Dach oder zugelassener Belüfter | Immer bei Hebeanlagen | DIN EN 12056-4 |
| 05 | Netzunabhängige Störmeldung | Immer | DIN EN 12050, Herstellerangabe |
Sechs Punkte, an denen sich zeigt, ob der Keller trocken bleibt.
| Nr | Bauteil | Woran Sie es erkennen | Wie wir vorgehen |
|---|---|---|---|
| 01 | Nutzung des Raums | WC, Dusche oder Einliegerwohnung im Souterrain, Waschküche oder Bodenablauf im Keller. | Ein Rückstauverschluss reicht nach DIN 1986-100 nur, wenn vier Bedingungen zugleich erfüllt sind: Gefälle zum Kanal, Räume untergeordneter Nutzung, ein kleiner Benutzerkreis mit einem WC über der Rückstauebene und ein Ablauf, auf den man beim Rückstau verzichten kann. Sonst ist die Hebeanlage vorgeschrieben. Ein Rückstauverschluss vor dem WC im Souterrain sperrt genau dann, wenn es gebraucht wird. |
| 02 | Rückstauschleife | Die Druckleitung endet unter Straßenniveau oder ist direkt an die Grundleitung angeschlossen. | Die Druckleitung wird als Schleife über die Rückstauebene geführt und an eine belüftete Grund- oder Sammelleitung angeschlossen, nicht an eine Fallleitung. Ohne Schleife drückt der Kanal durch die Pumpe zurück. Fehlt die Schleife im Angebot, fehlt sie auch im Keller, das ist der häufigste Planungsfehler bei nachgerüsteten Anlagen. |
| 03 | Lüftung | Geruch im Keller, die Pumpe fördert schlecht. | Lüftungsleitung über Dach, damit der Sammelbehälter beim Füllen und Abpumpen Luft abgeben und aufnehmen kann. Die Leitung läuft eigenständig über Dach oder mündet in die Hauptlüftung des Hauses, nie in den Kellerraum. Eine Anlage ohne Lüftung riecht und fördert schlecht. |
| 04 | Störmeldung und Stromausfall | Kein Alarm, die volle Grube bleibt unbemerkt bis zum Wasser im Flur. Bei Stromausfall fördert keine Pumpe. | Jede Anlage bekommt eine netzunabhängige Störmeldung. Wo der Zufluss nicht unterbrochen werden darf, etwa im Gewerbe mit laufendem Betrieb, wird eine Doppelanlage gebaut, deren zweite Pumpe bei Ausfall der ersten übernimmt. Bei kritischer Nutzung sichert zusätzlich ein Rückstauverschluss. |
| 05 | Aufstellraum und Schall | Enger Kellerraum, Anlage unter einem Schlafzimmer, Leitungen starr an der Wand. | Die Anlage wird schallentkoppelt aufgestellt und die Druckleitung gedämmt befestigt, damit sie in der Wohnung darüber nicht zu hören ist. Um die Anlage bleibt Arbeitsraum für die Wartung. Im Aufstellraum einer Fäkalienhebeanlage liegt ein Pumpensumpf, der den Raum bei einer Störung entwässert. |
| 06 | Altanlage im Bestand | Rostiger Behälter, Pumpe ohne Alarm, Rückstauklappe ohne Notverschluss, kein Protokoll. | Altanlagen werden gegen die heutige Auslegung geprüft. Fehlen Rückstauschleife, Lüftung oder Störmeldung, wird nachgerüstet oder getauscht und der Pumpensumpf saniert. Ein Tausch Pumpe gegen Pumpe ohne diese Prüfung lässt den Fehler im Keller. |
Einbau innerhalb einer Woche, je nach Schacht.
Ortstermin
Rückstauebene, Lage der Abläufe, Nutzung der Räume, Platz für Schacht und Anlage, Weg von Druckleitung und Lüftung.
Auslegung und Angebot
Anlagentyp, Förderhöhe, Leitungsführung und Elektro, mit dem Auslegungsnachweis aus Abschnitt 05. Im Wohnungseigentum ist das Angebot so aufgebaut, dass die Eigentümerversammlung darüber beschließen kann.
Woche 1: Schacht und Zulauf
Altanlage ausbauen, Schacht oder Pumpensumpf herstellen, Zulauf anschließen. Die Abläufe im Keller sind in dieser Zeit gesperrt.
Woche 1: Anlage, Schleife und Lüftung
Anlage setzen, Druckleitung mit Rückstauschleife nach Abschnitt 03, Lüftungsleitung über Dach.
Woche 1: Rückstauverschlüsse an einzelnen Abläufen
Wo ein Ablauf nur gesichert wird, Rückstauverschluss mit Notverschluss setzen und auf Funktion prüfen.
Woche 1: Elektro und Störmeldung
Eigener Stromkreis und Alarm durch einen eingetragenen Elektrofachbetrieb, mit Prüfprotokoll. Das Alarmschaltgerät sitzt dort, wo jemand den Alarm hört.
Woche 1: Probelauf und Übergabe
Probelauf mit Wasser, Einweisung, Abnahme und Übergabe der Unterlagen für Versicherung und Verwaltung.
Was Sie am Ende in der Hand halten.
| Nr | Nachweis | Grundlage | Wann |
|---|---|---|---|
| 01 | Auslegungsnachweis | DIN 1986-100, DIN EN 12050 | Mit dem Angebot |
| 02 | Inbetriebnahmeprotokoll mit Probelauf | DIN EN 12056-4 | Bei Übergabe |
| 03 | Prüfprotokoll Elektroanschluss | DIN VDE 0100-600 | Bei Übergabe |
| 04 | Abnahmeprotokoll | VOB/B § 12 | Zum Schluss |
Fragen zu Hebeanlagen und Rückstauschutz.
Wo liegt die Rückstauebene?
In Berlin in der Regel auf Höhe der Straßenoberkante an der Anschlussstelle des Grundstücks, die Berliner Wasserbetriebe nennen sie auf Anfrage. In Brandenburg legt sie die Satzung der Gemeinde oder des Zweckverbands fest. Alles, was darunter entwässert, braucht Schutz.
Reicht für ein Gäste-WC im Keller eine kleine Anlage?
Für ein einzelnes WC mit Waschtisch reicht oft eine Kleinhebeanlage nach DIN EN 12050-3, wenn oberhalb der Rückstauebene ein weiteres WC erreichbar ist. Für eine Wohnung im Souterrain mit Bad und Küche ist eine Fäkalienhebeanlage nötig. Kleinhebeanlagen sind für einen kleinen Benutzerkreis gedacht, nicht für eine dauerhaft bewohnte Einheit. Die Auslegung richtet sich nach der Nutzung, nicht nach dem Gerät.
Was gilt für Lichtschacht und Kellerabgang?
Regenwasser von Flächen unter der Rückstauebene läuft bei Starkregen ebenso zurück wie Schmutzwasser. Abläufe an Kellerabgang und Lichtschacht gehören deshalb in die Auslegung, nicht nur die Abläufe im Haus. Ein Lichtschacht mit Ablauf unter der Rückstauebene braucht dieselbe Sicherung wie ein Bodenablauf im Keller.
Muss die Anlage gewartet werden?
Ja, durch einen Sachkundigen in festen Abständen nach DIN EN 12056-4, im Gewerbe häufiger als im Einfamilienhaus. Zwischen den Wartungen prüft der Betreiber die Anlage durch Probelauf und Sichtkontrolle. Die Wartung gehört nicht zum Einbauauftrag, Einweisung und Wartungshinweise schon.
Zahlt die Versicherung bei Rückstau?
Meist nur, wenn ein vorgeschriebener Rückstauschutz vorhanden war und gewartet wurde. Auslegungsnachweis und Inbetriebnahmeprotokoll aus Abschnitt 05 sind dafür die Unterlagen, dazu der Nachweis der letzten Wartung. Wer im Keller wohnt oder dort Werte lagert, lässt den Schutz vor dem nächsten Starkregen prüfen, nicht danach.
Verwandte Leistungen: Abwasser- und KanaltechnikKellersanierung und AbdichtungElektrosanierung
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