Technik · Phase 04

Hebeanlagen und Rückstauschutz in Berlin und Brandenburg

Eine Hebeanlage fördert Abwasser aus Räumen unter der Rückstauebene über eine Rückstauschleife in den Kanal. Ein Rückstauverschluss sperrt nur und kann kein Abwasser abführen, solange er geschlossen ist. Bei Starkregen steht der Kanal voll, und das Wasser sucht sich den tiefsten Punkt: den Ablauf im Keller.

Zeichnung: Hebeanlagen und RückstauschutzSchnitt zu Hebeanlagen und Rückstauschutz. Rot hervorgehoben: Rückstauebene. Detail 23 des Plansatzes.RückstauebeneRückstauschleife über der RückstauebeneHebeanlageDetail 23Hebeanlagen und RückstauschutzSchnitt
01 · Kurz beantwortet

Was über Hebeanlage oder Rückstauverschluss entscheidet.

Entscheidend ist, ob ein Raum während eines Rückstaus ohne Entwässerung auskommt. Ein Bodenablauf in der Waschküche kann ein paar Stunden warten, ein WC im Souterrain nicht. Fäkalienhaltiges Abwasser braucht eine Fäkalienhebeanlage, fäkalienfreies eine kleinere Anlage. Fällt die Wahl auf eine Hebeanlage, bestimmen Fördermenge und Förderhöhe die Größe, nicht der Platz im Keller. Die Anlage selbst ist der kleinste Posten, den Preis machen Schacht, Leitungen und Elektro. Der Einbau dauert zwei bis vier Tage, je nach Schacht. Rückstauebene, Abläufe und Nutzung jedes Raums darunter werden beim Ortstermin aufgenommen, bevor eine Anlage ausgewählt wird.

Am häufigsten beauftragen uns Hausverwaltungen und WEG, Eigentümer und Gewerbemieter.

02 · Positionen

Was im Leistungsverzeichnis für den Rückstauschutz steht.

  1. Aufnahme der Rückstauebene und aller Abläufe darunter

  2. Prüfung und Reinigung der Zulaufleitungen vor dem Anschluss

  3. Bemessung von Zufluss, Fördermenge und Förderhöhe je Anlage

  4. Schacht oder Pumpensumpf mit Aushub, Abdichtung und Abdeckung

  5. Fäkalienhebeanlage als Einzel- oder Doppelanlage

  6. Hebeanlage für fäkalienfreies Abwasser oder Schmutzwasserpumpe im Pumpensumpf

  7. Rückstauverschluss in der Bauart passend zum Abwasser, mit Notverschluss

  8. Absperrschieber im Zulauf vor der Anlage

  9. Druckleitung mit Rückstauschleife, Rückflussverhinderer und Absperrschieber

  10. Lüftungsleitung über Dach

  11. Schallentkoppelte Aufstellung, Druckleitung gedämmt befestigt

  12. Elektroanschluss im eigenen Stromkreis mit Alarmschaltgerät

  13. Pumpensumpf im Aufstellraum zur Entwässerung bei Störung

  14. Ausbau und Entsorgung der Altanlage

VerfahrenWas wir anbieten und wann es sinnvoll ist.
NrVerfahrenWann sinnvollGrundlage
01RückstauverschlussBei Abläufen, auf die während eines Rückstaus verzichtet werden kannDIN 1986-100, DIN EN 13564
02Fäkalienhebeanlage mit RückstauschleifeBei WC und Bad unter der RückstauebeneDIN 1986-100, DIN EN 12050-1
03Hebeanlage für fäkalienfreies AbwasserBei Waschküche, Dusche, KellerablaufDIN EN 12050-2
04Lüftung über Dach oder zugelassener BelüfterImmer bei HebeanlagenDIN EN 12056-4
05Netzunabhängige StörmeldungImmerDIN EN 12050, Herstellerangabe
03 · Worauf es ankommt

Sechs Punkte, an denen sich zeigt, ob der Keller trocken bleibt.

NrBauteilWoran Sie es erkennenWie wir vorgehen
01Nutzung des RaumsWC, Dusche oder Einliegerwohnung im Souterrain, Waschküche oder Bodenablauf im Keller.Ein Rückstauverschluss reicht nach DIN 1986-100 nur, wenn vier Bedingungen zugleich erfüllt sind: Gefälle zum Kanal, Räume untergeordneter Nutzung, ein kleiner Benutzerkreis mit einem WC über der Rückstauebene und ein Ablauf, auf den man beim Rückstau verzichten kann. Sonst ist die Hebeanlage vorgeschrieben. Ein Rückstauverschluss vor dem WC im Souterrain sperrt genau dann, wenn es gebraucht wird.
02RückstauschleifeDie Druckleitung endet unter Straßenniveau oder ist direkt an die Grundleitung angeschlossen.Die Druckleitung wird als Schleife über die Rückstauebene geführt und an eine belüftete Grund- oder Sammelleitung angeschlossen, nicht an eine Fallleitung. Ohne Schleife drückt der Kanal durch die Pumpe zurück. Fehlt die Schleife im Angebot, fehlt sie auch im Keller, das ist der häufigste Planungsfehler bei nachgerüsteten Anlagen.
03LüftungGeruch im Keller, die Pumpe fördert schlecht.Lüftungsleitung über Dach, damit der Sammelbehälter beim Füllen und Abpumpen Luft abgeben und aufnehmen kann. Die Leitung läuft eigenständig über Dach oder mündet in die Hauptlüftung des Hauses, nie in den Kellerraum. Eine Anlage ohne Lüftung riecht und fördert schlecht.
04Störmeldung und StromausfallKein Alarm, die volle Grube bleibt unbemerkt bis zum Wasser im Flur. Bei Stromausfall fördert keine Pumpe.Jede Anlage bekommt eine netzunabhängige Störmeldung. Wo der Zufluss nicht unterbrochen werden darf, etwa im Gewerbe mit laufendem Betrieb, wird eine Doppelanlage gebaut, deren zweite Pumpe bei Ausfall der ersten übernimmt. Bei kritischer Nutzung sichert zusätzlich ein Rückstauverschluss.
05Aufstellraum und SchallEnger Kellerraum, Anlage unter einem Schlafzimmer, Leitungen starr an der Wand.Die Anlage wird schallentkoppelt aufgestellt und die Druckleitung gedämmt befestigt, damit sie in der Wohnung darüber nicht zu hören ist. Um die Anlage bleibt Arbeitsraum für die Wartung. Im Aufstellraum einer Fäkalienhebeanlage liegt ein Pumpensumpf, der den Raum bei einer Störung entwässert.
06Altanlage im BestandRostiger Behälter, Pumpe ohne Alarm, Rückstauklappe ohne Notverschluss, kein Protokoll.Altanlagen werden gegen die heutige Auslegung geprüft. Fehlen Rückstauschleife, Lüftung oder Störmeldung, wird nachgerüstet oder getauscht und der Pumpensumpf saniert. Ein Tausch Pumpe gegen Pumpe ohne diese Prüfung lässt den Fehler im Keller.
04 · Ablauf und Bauzeit

Einbau innerhalb einer Woche, je nach Schacht.

  1. Ortstermin

    Rückstauebene, Lage der Abläufe, Nutzung der Räume, Platz für Schacht und Anlage, Weg von Druckleitung und Lüftung.

  2. Auslegung und Angebot

    Anlagentyp, Förderhöhe, Leitungsführung und Elektro, mit dem Auslegungsnachweis aus Abschnitt 05. Im Wohnungseigentum ist das Angebot so aufgebaut, dass die Eigentümerversammlung darüber beschließen kann.

  3. Woche 1: Schacht und Zulauf

    Altanlage ausbauen, Schacht oder Pumpensumpf herstellen, Zulauf anschließen. Die Abläufe im Keller sind in dieser Zeit gesperrt.

  4. Woche 1: Anlage, Schleife und Lüftung

    Anlage setzen, Druckleitung mit Rückstauschleife nach Abschnitt 03, Lüftungsleitung über Dach.

  5. Woche 1: Rückstauverschlüsse an einzelnen Abläufen

    Wo ein Ablauf nur gesichert wird, Rückstauverschluss mit Notverschluss setzen und auf Funktion prüfen.

  6. Woche 1: Elektro und Störmeldung

    Eigener Stromkreis und Alarm durch einen eingetragenen Elektrofachbetrieb, mit Prüfprotokoll. Das Alarmschaltgerät sitzt dort, wo jemand den Alarm hört.

  7. Woche 1: Probelauf und Übergabe

    Probelauf mit Wasser, Einweisung, Abnahme und Übergabe der Unterlagen für Versicherung und Verwaltung.

05 · Nachweise

Was Sie am Ende in der Hand halten.

NrNachweisGrundlageWann
01AuslegungsnachweisDIN 1986-100, DIN EN 12050Mit dem Angebot
02Inbetriebnahmeprotokoll mit ProbelaufDIN EN 12056-4Bei Übergabe
03Prüfprotokoll ElektroanschlussDIN VDE 0100-600Bei Übergabe
04AbnahmeprotokollVOB/B § 12Zum Schluss
06 · Häufige Fragen

Fragen zu Hebeanlagen und Rückstauschutz.

  1. Wo liegt die Rückstauebene?

    In Berlin in der Regel auf Höhe der Straßenoberkante an der Anschlussstelle des Grundstücks, die Berliner Wasserbetriebe nennen sie auf Anfrage. In Brandenburg legt sie die Satzung der Gemeinde oder des Zweckverbands fest. Alles, was darunter entwässert, braucht Schutz.

  2. Reicht für ein Gäste-WC im Keller eine kleine Anlage?

    Für ein einzelnes WC mit Waschtisch reicht oft eine Kleinhebeanlage nach DIN EN 12050-3, wenn oberhalb der Rückstauebene ein weiteres WC erreichbar ist. Für eine Wohnung im Souterrain mit Bad und Küche ist eine Fäkalienhebeanlage nötig. Kleinhebeanlagen sind für einen kleinen Benutzerkreis gedacht, nicht für eine dauerhaft bewohnte Einheit. Die Auslegung richtet sich nach der Nutzung, nicht nach dem Gerät.

  3. Was gilt für Lichtschacht und Kellerabgang?

    Regenwasser von Flächen unter der Rückstauebene läuft bei Starkregen ebenso zurück wie Schmutzwasser. Abläufe an Kellerabgang und Lichtschacht gehören deshalb in die Auslegung, nicht nur die Abläufe im Haus. Ein Lichtschacht mit Ablauf unter der Rückstauebene braucht dieselbe Sicherung wie ein Bodenablauf im Keller.

  4. Muss die Anlage gewartet werden?

    Ja, durch einen Sachkundigen in festen Abständen nach DIN EN 12056-4, im Gewerbe häufiger als im Einfamilienhaus. Zwischen den Wartungen prüft der Betreiber die Anlage durch Probelauf und Sichtkontrolle. Die Wartung gehört nicht zum Einbauauftrag, Einweisung und Wartungshinweise schon.

  5. Zahlt die Versicherung bei Rückstau?

    Meist nur, wenn ein vorgeschriebener Rückstauschutz vorhanden war und gewartet wurde. Auslegungsnachweis und Inbetriebnahmeprotokoll aus Abschnitt 05 sind dafür die Unterlagen, dazu der Nachweis der letzten Wartung. Wer im Keller wohnt oder dort Werte lagert, lässt den Schutz vor dem nächsten Starkregen prüfen, nicht danach.

Verwandte Leistungen: Abwasser- und KanaltechnikKellersanierung und AbdichtungElektrosanierung

07 · Anfrage

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Rückmeldung mit Terminvorschlag innerhalb von 48 Stunden, werktags. Angebot in fünf Werktagen nach dem Ortstermin.

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