Ausbau · Phase 03

Wanddurchbruch und Grundrissänderung in Berlin und Brandenburg

Ob eine Wand tragend ist, entscheidet nicht ihre Dicke, sondern die Spannrichtung der Decke darüber: Eine zwölf Zentimeter dünne Wand kann tragen, eine vierundzwanzig Zentimeter dicke kann eine reine Trennwand sein. Wer das falsch einschätzt, sieht es an den Rissen im Geschoss darüber. Deshalb arbeiten wir in fester Reihenfolge: Bestand aufnehmen, Spannrichtung klären, Statik beauftragen, erst dann ein Angebot.

Zeichnung: Wanddurchbruch und GrundrissAnsicht zu Wanddurchbruch und Grundriss. Rot hervorgehoben: Stahlträger mit Statik. Detail 15 des Plansatzes.Stahlträger mit StatikAbfangungDetail 15Wanddurchbruch und GrundrissAnsicht
01 · Kurz beantwortet

Was den Umfang eines Durchbruchs bestimmt.

Was ein Wanddurchbruch kostet, entscheidet nicht die Größe der Öffnung, sondern ob die Wand trägt. Eine nichttragende Leichtbauwand ist an einem Tag entfernt. Bei einer tragenden Wand bestimmen statischer Nachweis, Abfangung, ein bemessener Stahlträger mit Auflagern und das Verfahren beim Bauamt den größten Teil, danach die Wiederherstellung der angrenzenden Oberflächen. Leitungen in der Wand, Schadstoffe im Bestand vor 1995 und der Schallschutz zwischen zwei Wohnungen kommen je nach Lage hinzu. Die Öffnung selbst dauert drei bis fünf Arbeitstage plus Standzeiten für Mörtel und Putz. Statik und Genehmigung brauchen davor mehrere Wochen bis Monate.

Am häufigsten beauftragen uns Hausverwaltungen und WEG, Eigentümer und Architekten.

02 · Positionen

Was im Leistungsverzeichnis steht.

  1. Begehung mit Bestimmung der Spannrichtung, Verfolgung der Wand über die Geschosse und Auswertung vorhandener Bestandspläne

  2. Schadstoffprobe an Spachtelmassen, Fliesenkleber und Bodenbelägen bei Bestand vor 1995, Laborergebnis vor Beginn

  3. Leitungen orten und freischalten, Elektro, Wasser und Heizung vor dem Öffnen umlegen

  4. Staubschutzwände, Abdeckung der Wege und Schutz der angrenzenden Räume

  5. Baustützen und Jochträger beidseitig der Wand, im Geschoss darunter nach Statik, mit Setzungskontrolle

  6. Öffnung herstellen, Bauschutt innerhalb des Gebäudes abtragen

  7. Stahlträger oder Fertigsturz nach Statik einbauen, kraftschlüssig verkeilt und vergossen, mit Korrosionsschutz

  8. Brandschutzbekleidung des Trägers in der geforderten Feuerwiderstandsklasse

  9. Laibungen schließen, Putz- und Trockenbauanschlüsse, Estrich in der Wandachse ergänzen

  10. Oberflächen angleichen in der vereinbarten Spachtelqualität

  11. Neue nichttragende Wände, Türen und Zargen nach neuem Grundriss

  12. Entsorgung mit Nachweis, bei Schadstofffund durch einen zugelassenen Fachbetrieb

  13. Bedarfsposition für Befunde, die erst nach dem Öffnen sichtbar werden

VerfahrenWas wir anbieten und wann es sinnvoll ist.
NrVerfahrenWann sinnvollGrundlage
01Statischer Nachweis mit LastannahmenImmer bei tragenden Wänden, vor dem ersten SchnittEurocode, Bauordnung Berlin
02Abfangung mit Stahlträger und AuflagernBei Durchbrüchen in tragenden WändenStatik, DIN EN 1993
03Schneiden statt StemmenBei Erschütterungsempfindlichkeit und NachbarnDIN 4150
03 · Worauf es ankommt

Sechs Stellen, an denen ein Durchbruch hält oder reißt.

NrBauteilWoran Sie es erkennenWie wir vorgehen
01Tragende Mittelwand im GründerzeitbauSteht in jedem Geschoss an derselben Stelle, Ziegelmauerwerk von 24 bis 38 Zentimetern, die Deckenbalken liegen quer darauf auf.Der Regelfall für einen echten Durchbruch: abfangen, öffnen, Träger mit der Auflagerlänge aus der Statik einbauen. Wer die Wand nach ihrer Dicke als nichttragend einschätzt, sieht den Fehler Wochen später als Riss im Geschoss darüber, als klemmende Tür oder als durchhängende Decke.
02Aussteifende WandTrägt rechnerisch keine Deckenlast, steht aber durchgehend und ist mit den tragenden Bauteilen verbunden. Von außen sieht sie aus wie eine Trennwand.Sie darf nicht ohne Nachweis entfernt werden. Der Tragwerksplaner prüft, ob das Gebäude ohne diese Scheibe gegen Wind und andere Horizontalkräfte ausgesteift bleibt, und schreibt gegebenenfalls Ersatzmaßnahmen vor. Wer nur nach der Deckenlast fragt, übersieht genau diese Wand.
03Nichttragende TrennwandSteht nicht in allen Geschossen, klingt hohl, aus Gipsdielen, Leichtbauplatten oder Ständerwerk.Rückbau ohne Abfangung, aber erst nach der Prüfung auf Aussteifung. In Gipsdielenwänden im Altbau liegen regelmäßig Elektroleitungen ohne Schutzrohr. Nicht geortet heißt im besten Fall Wasserschaden, im schlechtesten ein Unfall.
04Auflager und AbfangungNach dem Einbau verdeckt: die Fläche unter dem Trägerende und die Stützen, die bis dahin die Decke halten.Auflagerlänge und Druckverteilung legt die Statik fest, ausgeführt mit Stahlplatte und Mörtelbett. Liegt der Träger zu kurz oder ohne Druckverteilung auf, versagt nicht der Stahl, sondern das Mauerwerk darunter wird örtlich überdrückt. Die Stützen werden nacheinander gezogen, nicht alle gleichzeitig, sonst setzt sich die Decke um Millimeter, die man danach im Putz des ganzen Geschosses sieht.
05WohnungstrennwandTrennt zwei Wohnungen, meist massiv und oft tragend.Bei Wohnungseigentum gehört sie zum Gemeinschaftseigentum, die Öffnung ist eine bauliche Veränderung nach § 20 WEG und braucht einen Beschluss. In Gebieten mit Erhaltungsverordnung kann das Zusammenlegen zusätzlich genehmigungspflichtig sein. Welcher Schallschutz nach DIN 4109 danach gegenüber den Nachbarn geschuldet ist, wird vorab geklärt und nicht nach der ersten Beschwerde.
06Stuck, Fliesen und NachbarnStuckdecke, Fliesenspiegel oder empfindlicher Putz in angrenzenden Räumen, eine Nachbarwohnung hinter der Wand.Hier wird mit der Wandsäge geschnitten statt gestemmt, das ergibt eine saubere Kante ohne Risse im Nachbarbauteil. Erschütterungen vom Abbruchhammer lösen Stuck, Fliesen und Putz bis in die Nachbarwohnung, und die Folgeschäden übersteigen regelmäßig den Aufpreis für die Säge. Die Säge steht als eigene Position im Angebot, damit Sie die Entscheidung kennen.
04 · Ablauf und Bauzeit

Nach Statik und Genehmigung ein bis zwei Wochen Bauzeit.

  1. Begehung und Beurteilung

    Wandaufbau, Spannrichtung und Lage nach Abschnitt 02. Ergebnis ist die Aussage, ob eine Statik nötig ist, nicht schon die Zusage, dass die Wand weg kann.

  2. Statik und Verfahren

    Der Tragwerksplaner rechnet die Lasten und bemisst Träger und Auflager und prüft die Lastabtragung bis zur Gründung. Bauanzeige oder Genehmigung und bei Wohnungseigentum der Beschluss stehen vor dem Termin, nicht danach.

  3. Woche 1: Proben, Leitungen, Schutz

    Mit dem Laborergebnis in der Hand werden Leitungen umgelegt und Staubschutz gestellt. Erst danach entsteht Staub.

  4. Woche 1: Abfangen und Öffnen

    Stützen und Jochträger nach Statik, dann die Öffnung im Verfahren nach Abschnitt 03.

  5. Woche 1: Träger einbauen

    Träger setzen, Auflager nach Abschnitt 03 herstellen, verkeilen und vergießen.

  6. Woche 2: Stützen ziehen und schließen

    Stützen ziehen, sobald der Mörtel trägt, dann Brandschutzbekleidung, Laibungen, Putz und Estrich in der Wandachse.

  7. Woche 2: Oberflächen und Abnahme

    Spachteln, Anstrich und Übergänge im Boden. Abnahme mit den Nachweisen aus Abschnitt 05, die Fotos von Träger und Auflagern bleiben in Ihren Unterlagen.

05 · Nachweise

Was Sie am Ende in der Hand halten.

NrNachweisGrundlageWann
01StandsicherheitsnachweisTragwerksplaner, über unseren FachplanerVor dem ersten Schnitt
02Genehmigung bei Eingriff in das TragwerkBauordnung BerlinVor der Ausführung
03Fotoprotokoll der AuflagerVOB/CVor dem Verschließen
04AbnahmeprotokollVOB/B § 12Zum Schluss
06 · Häufige Fragen

Fragen zum Wanddurchbruch.

  1. Kann ich während der Arbeiten in der Wohnung bleiben?

    Bei einer einzelnen Öffnung in der Regel ja, mit Einschränkungen. Es gibt Staub, Lärm und je nach Verfahren Erschütterungen, mit der Wandsäge auch Wasser, und der betroffene Raum ist einige Tage nicht nutzbar. Wir stellen Staubschutzwände, decken Wege ab und stimmen die lauten Phasen vorher ab. Bei einer Grundrissänderung mit mehreren Öffnungen und neuer Haustechnik ist der Auszug der realistischere Weg.

  2. Was ist, wenn die Wand anders gebaut ist als im Plan?

    Im Berliner Bestand ist das häufig, weil Pläne selten dem Gebauten entsprechen. Dann wird vor dem Weiterarbeiten neu beurteilt: Der Befund geht mit Fotos an den Tragwerksplaner, und die Statik wird angepasst. Der Mehraufwand läuft über die Bedarfsposition aus dem Angebot.

  3. Was ist mit einem Schornstein in der Wand?

    Schornsteinzüge dürfen nicht angeschnitten werden, auch stillgelegte nicht, solange sie nicht formal außer Betrieb genommen und verfüllt sind. Erkennbar sind sie an einem Vorsprung in der Wandflucht, an einer Reinigungsklappe, einem Lüftungsgitter oder einer warmen Stelle. Der Bezirksschornsteinfeger wird eingebunden, bevor geplant wird.

  4. Geht im Plattenbau überhaupt ein Durchbruch?

    Nur sehr eingeschränkt. Fast alle Innenwände sind tragend oder aussteifend, die Lasten laufen über die Querwände, und die Betonfertigteile sind untereinander vergossen. Kleinere Öffnungen sind im Einzelfall nach gesondertem Nachweis möglich, größere Grundrissänderungen in aller Regel nicht. Gearbeitet wird ausschließlich mit der Wandsäge, weil Schlagwerkzeuge die Bewehrung und die Nachbarelemente schädigen.

  5. Wie wird abgerechnet?

    Abschläge nach geprüftem Aufmaß, Sicherheitseinbehalt bis zur mängelfreien Abnahme. Abrechnung nach VOB/B mit Aufmaß nach VOB/C, oder Pauschalfestpreis. Arbeitskosten getrennt ausgewiesen für § 35a EStG bei Privatkunden.

Verwandte Leistungen: InnenausbauAltbausanierungElektrosanierung

07 · Anfrage

Sagen Sie uns, was ansteht.

Rückmeldung mit Terminvorschlag innerhalb von 48 Stunden, werktags. Angebot in fünf Werktagen nach dem Ortstermin.

Vergabe

Für Projektentwickler, Verwaltungen, Bestandshalter und Architekten. LV, Pläne oder Objektliste bitte an hallo@clieni.de.